Home KategorienOnline Auf ihrer neuen Single „Futur I“ holen NEWMEN sich prominente Unterstützung! Video ab sofort online!

Auf ihrer neuen Single „Futur I“ holen NEWMEN sich prominente Unterstützung! Video ab sofort online!

by Malin Schindler

Nachdem NEWMEN bereits in diesem Frühjahr die zwei neuen Songs „No Tricks with the Ocean“ und „Seven Suns“ veröffentlicht haben, erscheint nun mit „Futur I“ der nächste Vorbote des neuen Albums „Futur II“, welches am 06.08.2021 erscheinen wird.

Für „Futur I“ haben sich die 2012 in Frankfurt am Main gegründeten NEWMEN, deren Genrezugehörigkeit sich wohl am treffensten mit dem Begriff „Krautpop“ beschreiben lässt,
mit dem Ex-Kraftwerk Schlagzeuger Wolfgang Flür zusammengetan. Gemeinsam haben sie ein, auf anlogen Synthesizerloops aufgebautes Stück Musik entwickelt, dass sowohl inhaltlich die Bewegung auf dem Zeitstrahl als musikalisch einen vorantreibenden Rhythmus integriert.

Kraftwerk haben lange daran gearbeitet, dass man bei ihrem Namen an Roboter statt an Menschen denkt. Insofern fühlt man sich angenehm überrascht von der Wärme, die von
Wolfgang Flürs Stimme ausgeht. Während die Roboter das Schlagzeug spielen, spricht der Mensch von den Pandemien, die wir nicht haben kommen sehen, und erinnert uns daran, dass dieser Zeit auch eine Zukunft folgen wird. Oder um es mit einer Textstelle aus dem Song zu beschreiben: „There will be much to observe.“

Wir sind ja in der Regel vorsichtig mit dem inflationären Umgang von Begriffen wie „legendär“, bei jemanden, der wie wie Wolfgang Flür, Teil eines der relevantesten Kapitel deutscher Popgeschichte ist, darf man durchaus mal in diese Richtung denken. Nicht umsonst wird seine ehemalige Band dieses Jahr in die „Rock’n’Roll Hall Of Fame“ aufgenommen.

„Bingo! What to say?“ – Schwer zu sagen, ob es besonders eloquent ist, mit diesen Worten ein Album zu beginnen, aber „No Tricks with the Ocean“ schiebt sich mit seinem Rhythmus über die Landschaft wie ein Monster, das erst mal über hohe Berge klettern muss, um zu sehen, dass die Einwohner des Tals während einer Pandemie auf die glorreiche Idee kamen, nach Mallorca zu fliegen. Apokalypse abgesagt, hat sich von selbst erledigt. „All lives say goodbye, farewell.“

Aber dies ist kein Grund zur Panik, denn es liegt eine Leichtigkeit in der Luft, die „Futur II“, das neue Album der Frankfurter NEWMEN atmet, die dem ersten Atemzug nach langer Zeit abseits von Klimaanlagen, Büros und Stadt gleicht. In einer Zeit, in der Wald als „ungenutzte Fläche“ gilt und man jederzeit ermutigt wird, Zeit und Raum mit einem Preis zu bemessen, ist es natürlich schwierig, von Leichtigkeit zu sprechen, ohne daran zu denken, was man dafür bezahlen muss.
Um diese zugegeben eher skeptische Perspektive auf die Zukunft einzufangen, machen NEWMEN den Spagat zu den ersten Halleluja-Momenten, als Technologie Einzug ins Musikmachen hielt. Kraftwerk, NEU! und Konsorten nahmen die mechanische Präzision, die Technologie ermöglichte, und bedienten sich des motorischen Rhythmus, den jeder kennt, der mehr als eine halbe Stunde auf der Autobahn verbracht hat oder die Sekunden zählt, bis der Arbeitstag vorbeigeht. Nun ist es allerdings so, dass NEWMEN Kinder der Generationen sind, die bereits ihr Leben in diesem Rhythmus verbracht haben. Wenn man also die Erfahrung macht, dass es sinnvoll sein kann, das Ersparte eher im einarmigen Banditen zu verpulvern, statt auf einen zunehmend ausgehöhlten Sozialstaat zu bauen, dann wird bei NEWMENs Liebe zu treibender Rhythmik auch die Schwermut erkennbar. Hinzu kommt, dass jede und jeder mit enttäuschten Idealen den wahren Wert von Eskapismus kennt. Genau hier gehen flächenfüllende Synthesizer der analogen Machart Hand in Hand mit stakkatoartigem Gitarrenspiel der späten 70er und frühen 80er, als Gordon Gekko gerade noch so als cooler Typ durchgehen konnte und Diskotheken auf ökonomische Talfahrten mit bunter Selbstdarstellung reagierten.
Mit Ihrem „Krautpop”, der in all diesen Gefilden herangewachsen ist, haben NEWMEN auf ihrem dritten Album „Futur II“ einen Stil entwickelt, der einerseits tief verwurzelt ist in den technologischen Innovationen der Industrieländer, sich aber nie anbiedert, um vom allmächtigen Algorithmus auf die neueste Lifestyle-Playlist gezogen zu werden. Zugegeben kann es Spaß machen, zu hören, wie sich The Weeknd in Aha!-Cosplay übt, aber NEWMEN bedient den Teil des Hirns, der davon träumt, etwas richtig gutes zu essen, während man sich am Hauptbahnhof gleich zwei Whopper holt, weil sie zur Zeit nur einen Euro kosten.
Während der Opener „No Tricks with the Ocean“ das verschwundene Leben besingt, lässt das knochentrockene Schlagzeug erahnen, welche steigende Hitze dafür verantwortlich ist. „Caravan“ lässt einen den heißen Wüstensand und die Verzweiflung spüren, die einen dazu zwingt, sein Heim zu verlassen. „Seven Suns“ hingegen bringt uns mit Ketty van Dolns wunderschönen Gesang und einem grandiosen Groove der Resilienz nah, die wir alle nötig haben.

Nicht fehlen dürfen die für NEWMEN charakteristischen Instrumentalstücke. „Fordissimo“ greift mit seinem Wortspiel aus „Fordismus“ und „Fortissimo“ den Fließbandrhythmus auf, der mit maschineller Präzision an Instrumentalstücke aus den vorherigen Alben „Rush Hush“ (2014), „Soft Ware“ (2017) und zwei EPs anschließt und mit Liebe zum Detail daran erinnert, dass diese Band Aufmerksamkeit belohnt – denn hier ist nichts gestopft, sondern gefüllt.

Sowas entsteht nicht rein zufällig. So wie auch der Bandname einerseits als Abgesang auf nicht mehr ernst zu nehmende maskuline Posen funktioniert, aber auch ironisch zugibt, dass die verwendeten Mittel nicht „neu” sind, distanziert sich die 2012 in Frankfurt am Main gegründete Band gleichzeitig von Klischee-Verwurstung und Ringvorlesungs-Pop.

„Futur II“ bietet eine einzigartige Perspektive zwischen Ausweglosigkeit und grenzenlosen Optionen. Hier entsteht ein Blick auf die Welt, in der wir zusammen mit NEWMEN gleichzeitig observieren und observiert werden. Eine serene Auffassung davon, dass alles zu spät gewesen sein könnte, ohne die Arroganz sowas mit Sicherheit behaupten zu können. Oder wie es im Song „Futur I“, eine Zusammenarbeit mit dem Ex-Kraftwerk-Roboter Wolfgang Flür, heißt: „There will be much to observe!“

NEWMEN:
Futur I
Ferryhouse Productions
VÖ: 21.05.2021
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