Home KategorienOnline Mit „Audre“ präsentiert Novaa einen weiteren Vorabtrack aus dem kommenden Album „She’s A Rose“. Das Video gibt es ab sofort zu sehen.

Mit „Audre“ präsentiert Novaa einen weiteren Vorabtrack aus dem kommenden Album „She’s A Rose“. Das Video gibt es ab sofort zu sehen.

by Malin Schindler

Mit „Audre“ appelliert die in Berlin lebende Künstlerin Novaa daran, sich von altbackenden Hierarchien zu lösen und dem rassistischem System zu entkommen. „Audre“ ist der letzte Track vor der Veröffentlichung ihres neuem Albums „She’s A Rose“ (VÖ: 19.07).

„Ich glaube, vor etwa drei oder vier Jahren bin ich über ein Buch gestolpert, das meine Perspektive als Mensch und Künstlerin massiv verändert hat, dieses Buch heißt „Your Silence Will Not Protect You“. Es ist eine Sammlung von Reden, Gedichten, Ideen und Essays von der wunderbaren Dichterin, Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde. Offensichtlich ist Audre eine unglaubliche, eloquente Autorin mit einem riesigen Wissen und viel Weisheit, die sie teilt, aber das, was mich am meisten an ihr beeindruckte, war nicht nur, worüber sie spricht, sondern auch, wie sie darüber spricht. Ich hatte das Gefühl, dass in ihren Worten eine Weichheit, eine Sanftheit und Vertrautheit liegt, die eine enorme Kraft hat, gerade weil sie weich und sanft ist. Es macht mich wütend und traurig, dass unsere Gesellschaft die Arbeit von schwarzen Frauen, meist nicht sieht, anerkennt oder würdigt. Was sie teilen, was sie leisten, was sie opfern, einfach und nur wegen der veralteten Hierarchien und dem rassistischen System, in dem wir leben. Mit diesem Song will ich Audre und ihre unglaubliche Arbeit darstellen. Recherchiert ihre Geschichte, ihr Leben, lest ihre Bücher, hört euch ihre Reden an – seht und unterstützt schwarze Frauen und ihre Werke, ihre Arbeiten.“

 

Info:
Minimalistischer Sound, intensive Gefühle: mit ihrem neuen Album „She’s A Rose“ zeichnet Novaa aus radikal persönlicher Perspektive ein Bild von Geschlechterrollen und den Herausforderungen, die Frauen heute begegnen. „Für mich war es so etwas wie ein Tagebuch“, beschreibt die Songwriterin und Produzentin im Gespräch „She’s A Rose“, „es ist mein Versuch, meinen Platz zu finden. Und der Versuch, von diesem sich dauernd verändernden Standpunkt ein Bild zu zeichnen.“ Ein Bild in elf Songs, elf intensiven Kompositionen, die an die Substanz gehen und Schönheit und Schmerz, große Gefühle und kleine Szenen aus dem Alltag in sich vereinen.

Entstanden ist „She’s A Rose“ im Laufe des letzten Jahres: mit reduziertem Set-up und unter den Einschränkungen der Pandemie. „ich habe diesmal wirklich alles alleine gemacht – auch die Produktion. Ich hatte während der Quarantänezeit nur ein Mikrophon, eine Gitarre, ein Midi-Keyboard und meinen Laptop dabei – und das hat den Aufnahmeprozess auch gekennzeichnet“, erzählt Novaa, „und ich habe viel akustisch aufgenommen.“ Neben ihrem minimalen Equipment kamen auch Ukulele oder Querflöte zum Einsatz. „Als die Aufnahmen dann standen, habe ich mich mit einigen wenigen mit mir befreundeten Musiker*innen getroffen.“ Größtenteils digital – die Ergebnisse dieser Kollaborationen bastelte die Künstlerin dann allein zusammen für ein extrem persönliches, aber auch radikal eigenständiges, selbstbewusstes und -bestimmtes Album.

Auch thematisch geht Novaa mit „She’s A Rose“ dorthin, wo es wehtut: „Musikmachen ist für mich unfassbar therapeutisch“, berichtet sie. Aber gerade durch ihre radikal persönliche Perspektive können sich Hörer*innen mit den Inhalten, mit den Themen, die Novaa bespricht, identifizieren: Essstörungen, sexuelle Gewalt, Traumata, aber auch Datingerfahrungen und Liebe. „Ich habe auch Liebeslieder geschrieben, was ich sonst nie mache – I hate writing love songs!“, sagt Novaa lachend, „aber ich hatte Lust, Dinge festzuhalten und einfach runterzuschreiben.“

Und so sind Stücke wie „A Song I Shouldn’t Have Written“, „Can’t Take This Silence“ oder „J“ entstanden, neben Liedern wie „She’s A Rose“, eine Mediation über das Frau-fühlen, wie es Novaa beschreibt: „Es geht um diese Rollen, die einem zugeschrieben werden, als Frau, als wie auch immer man sich fühlt. Und es handelt auch davon, dass ich selbst sehr fragil sein kann, aber andererseits wieder auch sehr resilient.“ Es ist ein Dank an all die Frauen und als Frauen gelesenen Menschen in Novaas Leben, zu denen sie aufschaut, die sie inspirieren, an all jene, die vorher kamen und jene, die noch kommen werden.

Das erste Stück, „This Ain’t Your Home“, verhandelt ebenfalls ein sensibles Thema: sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch. „Für mich war es sehr wichtig, den Song zu schreiben und auch zu veröffentlichen“, so Novaa. Oft wird das Thema medial völlig falsch dargestellt, als eindeutige Situationen, als Taten, die von fremden Personen in dunklen Seitenstraßen begangen werden – während sich die meisten Fälle im persönlichen Nahbereich ereignen, im Privaten, in romantischen Beziehungen oder Freundschaften. „Ich habe „This Ain’t Your Home“ geschrieben, nachdem ich realisierte, dass ich sexuell missbraucht wurde. Es ist bizarr, dass man Missbrauch sehr oft nicht realisiert, bis man von einer Person eben nicht missbräuchlich behandelt wird.“ Auch wenn sich Betroffene allein und isoliert fühlen, ist niemand allein, sagt Novaa. „Für mich war es heilsam, diesen Song zu schreiben. Sprecht mit euren Familien, Freund*innen, euren Liebsten!“

Offene Worte findet Novaa auch auf „I’m Hungry“, einem Song, der sich mit Essstörungen befasst. „Es hat lange gedauert, diese Krankheit zu akzeptieren und noch länger, sich von ihr zu lösen. „I’m Hungry“‘ ist Teil meines Lernens, meines Heilungsprozesses“, berichtet die Sängerin und richtet sich an ihre Zuhörer*innen: „wenn ihr mit etwas ähnlichem kämpft, sehe ich euch, ich fühle mit euch, ihr habt das im Griff!“

In eine ganz andere Richtung geht „Audre“: „Vor drei oder vier Jahren fiel mir ein Buch in die Hände, das meine Perspektive als Mensch und als Künstlerin stark prägte – es war ‚Your Silence will not protect you‘ von Audre Lorde.“ „Audre“ ist eine Verneigung vor der Arbeit von Audre Lorde, aber auch eine Einladung, sich mit ihren Gedanken und ihrer Welt auseinanderzusetzen.

Doch wie so oft bei Novaa geht ihre künstlerische Vision über das Musikalische hinaus: zu „She’s A Rose“ hat sie in Kollaboration mit der Fotografin und Filmemacherin Lxandra eine eigene visuelle Welt geschaffen, die anhand der Videos zu den Songs ein Narrativ der Entwicklung, der Befreiung und der Positionierung in der Welt zeichnet. Mit „She’s A Rose“ zeigt Novaa erneut ihren radikal eigenständigen künstlerischen Standpunkt, schmerzhaft ehrlich, bestechend schön und dringend wichtig. Und wir dürfen uns glücklich schätzen, ihr zuzuhören.

Novaa:
Audre
Glassnote Music
VÖ: 02.07.2021
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